Bereits die blutige Axt auf dem deutschen Cover verspricht die Mischung, für die Charlaine Harris mit ihren Sookie-Stackhouse-Büchern und den True Blood- Verfilmungen berühmt geworden ist: Blutige Morde in Maßen, geschickt vermischt mit anheimelnder Atmosphäre und einer Heldin, die ist wie Du und ich. Die Verheißung trügt nicht: Auch in den Kriminalfällen der Aurora Teagarden, ganz frei von Vampiren und Werwölfen und, Gott sei´s gedankt, elfischer Verwandtschaft, findet sich alles, was die Leserin an den Büchern von Mrs. Harris liebt. Außer natürlich den sexy Vampiren und den vitalen Werwölfen.

Das Fehlen jeglicher Form übersinnlicher Existenzen entpuppt sich jedoch, wenn die Leserin der Sookie-Romane nicht mit hochfliegenden Erwartungen an Echte Morde herangeht, als eindeutiger Vorteil. Aurora Teagarden, so benannt von einer Mutter namens Aida und im allgemeinen Roe gerufen, ist Bibliothekarin, Ende Zwanzig und mit einem nicht-existenten Liebesleben gestraft. Sie lebt in einer amerikanischen Kleinstadt und fristet ihr Dasein, indem sie in der Bibliothek mit einer klatschsüchtigen und leicht gehässigen Kollegin möglichst aus dem Weg geht und Frauen mittleren Alters Bücher für deren Mutter „aber bitte ohne Sex“ empfiehlt. Ihr einziges und moderat exzentrisches Hobby ist die Mitgliedschaft in einem Club, der sich mit realen historischen Morden auseinandersetzt. Die Treffen dieser exquisiten Gemeinschaft der von Mord und Totschlag Faszinierten finden einmal monatlich statt, man referiert abwechselnd über seine ganz persönlichen Lieblingsmörder und labt sich an Häppchen und Getränken. Doch eines Tages wird eines der Mitglieder tot aufgefunden, und die Umstände des Mordes ähneln fatal  jenem Delikt, über das Roe berichten sollte. Und selbstverständlich bleibt es nicht bei dieser einzelnen Nachahmungstat.

Wer Lust auf einen Krimi hat, der in einer Kleinstadt spielt und vor allem durch die sympathische Heldin und weniger durch den irrsinnig komplexen bzw. komplizierten Kriminalfall lebt, der sollte hier unbedingt zugreifen und sich den ersten Band gönnen. Durch den überschaubaren Kreis der Verdächtigen und die schnippischen, oft selbstironischen Kommentare Auroras über ihr Leben ist der Unterhaltungswert sehr hoch, vor allem wenn man sich mit einem Cosy-Krimi, der in den USA spielt, anfreunden kann. Ich jedenfalls freue mich schon auf Band zwei und drei, die bereits erschienen sind und auf das nächste gemütliche Wochenende warten.

Charlaine Harris: Echte Morde

2011, Feder & Schwert

ISBN: 978-3-86762-096-3

11,95 €

Jetzt bestellen!