Der 17. Fall für Inspector Lynley

In ihrem 17. Roman schickt Elizabeth George Thomas Lynley in den Lake Distrikt. Ian Cresswell, der Neffe eines erfolgreichen Unternehmers  ist bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen. Sein Onkel Bernard Fairclough, durch Heirat mit der blaublütigen Erbin obgenannten  Sanitärgrosshandels ebenfalls geadelt, bezweifelt einen Unfall. Stattdessen befürchtet er ein mörderisches Einwirken von Seiten seines ehemals schwerst drogensüchtigen Sohnes. Dieser wiederum hat mit Hilfe seiner wunderschönen Frau, der Südamerikanerin Alathea den Pfad der Tugend wieder gefunden und ist verzweifelt bemüht, seinem Vater  durch harte Arbeit und Fortpflanzung genau dieses zu beweisen. Letztere ist leider das Problem seiner schönen Frau.

In seiner Not wendet sich Bernard an Lynleys Vorgesetzten Sir Hillier, der wiederum im sensiblen Wissen um die Pikanterie von Geheimnissen innerhalb der Oberschicht, Seine Lordschaft Asherton alias Thomas Lynley zu verdeckten Ermittlungen in den Lake Distrikt entsendet, von denen auch
Lynley´s Vorgesetzte Ardery nichts wissen darf. Da Ardery und Tommy (wahlweise Lynley oder Lord Asherton) ihrerseits allerdings eine unerlaubte und entsprechend geheime Beziehung führen, wird die Leserin in eine Welt der Wirrungen und Irrungen katapultiert, die ihr aus namhaften Erzeugnissen der Boulevardpresse sattsam bekannt sind.

Elizabeth George ist sich dessen sehr wohl bewusst und folgerichtig erfindet sie den jungen Reporter Zed Benjamin, seines Herzens Dichter und im schnöden Broterwerb gezwungen,  für die Zeitung „Source“ seine Story zu finden.  Konsequent führen Zeds Wege desgleichen  in den Lake Distrikt.

Thomas Lynley, zerrissen seit eh und je und nach dem tragischen Tod seiner geliebten Frau, der Lichtgestalt Lady Helen, auf das Attraktivste zusätzlich gebeutelt, bittet seine alten Freunde St. James nebst Gattin Deborah um Hilfe. Bei den Eheleuten St. James stehen die Zeichen allerdings gleichfalls auf Sturm. Wie es die Autorin will, wünschen sich Deborah und Simon St. James sehnlichst ein Kind und hier schließt sich der Kreis.

Gott sei Dank gibt es noch Havers!

Elizabeth George ist eine Dinosaurierin des Genres. Mit Romanen wie „Im Angesichts des Feindes“ oder „Am Anfang war die Tat“ hat sie mir Lesestunden der Extraklasse bereitet. Genervt hat mich stets ein genussfeindliches Gesundheitsbewusstsein, zwiespältig polarisiert durch Havers und die Abwesenheit jedweden Humors. „Glaube der Lüge“ kommt diesbezüglich anders daher. Havers ernährt sich zwar nach wie vor ungesund – tatsächlich nimmt sie eine Speisung zu sich, die mir als Bewohnerin des Kontinents gänzlich unbekannt ist – es fehlen jedoch gesundheitspolitische Hinweise auf Cholesterin oder andere Falltüren der Wohlstandsgesellschaft.

Der moralische Gesinnungswandel der Autorin ist möglicher Weise diesem Herrn geschuldet. Eingangs werden wir mit der zitierten Widmung konfrontiert:

In Gedenken an Anthony Mott.
Brillanter Erzähler
Verehrter Freund Antonio für mich

Und in der Tat: man kann über den Inhalt des 17. Romans von Elizabeth George denken und sagen was man will, aber es ist brillant erzählter Tratsch.

Elizabeth George: Glaube der Lüge

2012, Goldmann

ISBN: 978-3-442-31251-1

24,99 €

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