George Baxt: Mordfall für Dorothy Parker

Einen Ehrenplatz im Bücherhimmel verdienen meiner Meinung nach die sogenannten Promi-Krimis von George Baxt. In den 90er Jahren veröffentlichte der Haffmanns Verlag einige Titel aus dieser Reihe, deren Protagonisten wir alle aus Film und Fernsehen kennen.

Baxt selbst, in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts geboren, dürfte einige dieser Prominenten selbst gekannt haben, da er als Drehbuchautor in den Glanzjahren der Traumfabrik tätig war – und es sich bei jenen Stars eben nicht um B-Ware handelt, sondern um die glamourösesten und schillerndsten Figuren ihrer Zeit. Da ermitteln Alfred Hitchcock und Humphrey Bogart, Tallulah Bankhead, Greta Garbo und Marlene Dietrich in einem Umfeld, das an Exzentrizität und Zauber seinesgleichen sucht.

Mordfall für Dorothy Parker heißt der Krimi, den ich wieder und wieder lesen kann, ohne der Lektüre überdrüssig zu werden. Parker, hier wie im realen Leben oft zärtlich Dottie genannt, war eine der bekanntesten Figuren der New Yorker Literaturszene in den 20er Jahren. Ihre bissigen Theaterkritiken und melancholischen, zärtlichen Geschichten über das Leben in der US-Metropole sind bis heute ein Schatz ungetrübten Lesevergnügens.

Im Krimi von Baxt beginnt die Handlung damit, dass Dorothy Parker eine Verabredung mit ihrem Freund, dem bärenhaften Theaterkritiker Alex Woolcott, nicht einhält, weil sie sich wieder einmal, übers Waschbecken gebeugt, die Pulsadern aufschneidet. Nicht tief genug, um zu sterben, aber deutlich genug, um zeigen, dass ihr das Herz gebrochen wurde wie schon so oft. Rettung naht in Gestalt von Woolcott, aber vor allem in Form einer nie gekannten Aufregung: Im Apartment ihres Freundes George Kaufman wird das Starlet Ilona tot aufgefunden. Dorothy und der oft etwas widerwillige Woolcott ermitteln gemeinsam mit dem charmant-ruppigen Detective Jacob Singer und treffen alles, was Rang und Namen hat. Von Bordellbesitzerin Polly Adler und die erlauchten Mitglieder der berühmt-berüchtigten Tafelrunde im Algonquin Hotel bis zur politischen Prominenz und Mafia taucht alles auf, was damals an Rang und Namen das Leben genoss.

Baxt schafft es mühelos, von den Haupt- bis zu den Nebenfiguren alle Personen lebendig werden zu lassen; natürlich glänzt vor allem Mrs Parker mit ihrer Scharfzüngigkeit und ihrer ungebremsten Schlagfertigkeit. Viele Anspielungen auf den „großen Gatsby“ vertiefen das Vergnügen, das bereits die schillernde New Yorker Theaterszene und ihre Abgründe hervorrufen.  Dieses Buch ist beinahe schon mehr als ein bloßer Kriminalroman, er ist ebenso eine unterhaltsame Persiflage auf die Zeit und ihre mehr oder weniger halbseidenen Berühmtheiten.  Auf jeden Fall ist es großartige Unterhaltung!

Vor der Lektüre sollte sich jeder Leser darüber im Klaren sein, dass es schwerwiegende Nebenwirkungen geben kann. Zum einen wollen es die meisten, denen ich das Buch geliehen habe, nicht bei einem Baxt belassen – wie gesagt, diese Titel sind im Bücherhimmel und werden nicht mehr aufgelegt. Die Beschaffung kann unter Umständen langwierig und nervenaufreibend sein. Zum anderen möchte man nach der Lektüre nicht nur Dorothy Parker selbst lesen, sondern auch mehr über ihr Leben wissen. Da aber im Moment nur eine grottenschlechte Fleißarbeit (ich weigere mich, dieses Buch „Biografie“ zu nennen) über Mrs Parker auf Deutsch erhältlich ist, heißt es auch hier: Warten und Hoffen auf ein Buch, das noch geschrieben werden muss.

Wer neugierig geworden ist sollte sich Mordfall für Dorothy Parker auf jeden Fall gebraucht besorgen – es ist der schönste und unterhaltsamste der Promi-Krimis. Ihr wisst nicht, wo Ihr das Buch bekommt? Schreibt mir eine E-Mail, ich finde eine Lösung!