Bücherwellen Teil I – Bücher über die Kunst des Kochens

Im vergangenen Monat überrollte mich eine kleine Welle mit Büchern, die sich mit dem Thema „Kochen“ befassten und alle drei (es war ja nur eine kleine Welle) ganz ohne Rezepte auskamen: Mann kocht! von Ludger Fischer aus dem Eichborn Verlag, MFK Fishers schmales Bändchen Die Kunst des Essens, erschienen bei btb, und das ebenso schmale Buch Fein gehackt und grob gewürfelt von Julian Barnes, herausgegeben vom KiWi Verlag.

Als erstes fiel mir das Buch von Ludger Fischer, laut Klappentext Lebensmittelexperte und Alltagskoch, in die Hände, und ich bin froh, es als erstes  gelesen zu haben. Hätte ich es als letztes gelesen, wäre ich den Verdacht nicht losgeworden, der glänzende Barnes und die leidenschaftliche Fisher hätten mir das Vergnügen am Buch des deutschen Autors verdorben.

Der Klappentext verspricht eine „witzige und selbstironische Auseinandersetzung mit all den Unterschieden, die Männer und Frauen beim Kochen an den Tag legen.“  Nun ja, diese berühmten Unterschiede dürften jedem, der in einer Beziehung lebt oder gelebt hat, bekannt sein, aber es könnte immerhin ganz witzig sein, die kulinarische Seite der Mars-Venus-Trennung auf den Punkt gebracht zu sehen. Leider erschöpfte sich mein Lesevergnügen bereits auf Seite 9 mit folgendem Kommentar Herrn Fischers: „Der Beweis für meine Behauptung, dass Frauen ihren kochenden Männern die Begeisterung für deren Geköchel bloß vorgaukeln, ist einfach: Frauen, die behaupten, sie sagten immer genau das, was sie meinten (schön dumm!), haben keine Männer, die kochen, meistens nicht einmal einen, der nicht kocht.“ Das dröhnt in meinen Ohren wie der altertümliche Warnhinweis meiner Großmutter, die immer sagte: „Wenn du deine Nase immer in Bücher steckst, wirst du nie einen Mann bekommen.“  Was mit 14 Jahren vielleicht noch nach einer mittleren Katastrophe klingt, hört sich nach 15 Ehejahren nicht mehr ganz so dramatisch an.

Aber jedes Buch bekommt seine zweite Chance, und vielleicht sieht die büstenhalterverbrennende Emanze in mir alles zu verbissen? Immerhin habe ich ja gut reden, ich habe einen Mann, sogar einen, der kocht.

Doch auch nach hundert Seiten frage ich mich: Kann ich diesem Buch etwas abgewinnen? Der Eindruck von sarkastischem Geschwafel, an dem auch die kleinen Schwarzweiß-Zeichnungen mit den ausführlichen Kommentaren nichts ändern, bleibt bestehen.  Überaus beißend im Tonfall vermengt Ludger Fischer Psychologie, Soziologie und Statistiken mit eigenen Erfahrungen und eigener Lektüre, um daraus Erkenntnisse bezüglich männlichen und weiblichen Verhaltens in der Küche ziehen. Nichts und niemand wird hier verschont, weder „der Mann“ noch „die Frau“ noch der Autor selbst. Das immerhin ist sympathisch und schon einmal ein eingehaltenes Klappentext-Versprechen.

Nach knapp der Hälfte des Buches finde ich einfach keine große Motivation zum Weiterlesen. Weder will ich wissen, wie belesen der Verfasser des Buches ist (sehr), noch kann ich dem hämischen Tonfall über mehr als ein paar Seiten am Stück folgen. Amüsant ist das nicht mehr. Der Autor weiß eben einfach alles besser, Punkt.

Die wichtigste Zutat jedoch fehlt in diesem Traktat: Die Leidenschaft, die Liebe zum Kochen. Ohne sie bleibt Mann kocht! eine gut formulierte Zusammenstellung von Fakten mitsamt Fußnoten und Literaturangaben, aber mehr auch nicht.

Ludger Fischer: Mann kocht!

2012, Eichborn

ISBN: 978-3-8479-0510-3

14,99 €

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