Ich liebe Verrisse. Sie unterhalten mich ungemein. Infolgedessen war ich hocherfreut, dass den Bookwives das Tor zu Bücherhölle geöffnet wurde. HEUREKA! Die Möglichkeit nach Herzenslust endlich jene Druckerzeugnisse in Grund und Boden stampfen zu können, deren lobendes Preisen andern Orts ein Gebot des vernünftigen Handels ist, schafft Raum für die Befreiung unterdrückter Gefühle wie das abstrakte Verlangen nach flächendeckender Rache oder den konkreten Wunsch Personen gnadenlos zu ohrfeigen.

Gedacht – Getan? Nö!

Nach der ersten Euphorie stellte mir mein Gehirn die Frage: Welches Buch ist denn jetzt so grottenschlecht, dass Du es wirklich als ÜBERFLÜSSIG bezeichnen kannst? So säte es den Keim des Zweifels. Und da dieses, mein Gehirn nicht nur auf dem mathematischen Kriegsgebiet mein Gegner ist, beträufelte es den Keim mit Moralin. Was sein Fehler war, weil es damit das Feld frei machte für das wütende Aufbäumen einer Frau, die Marc Levy zum Erbrechen findet.

„Solange du da bist“ ist ein Machwerk der übelsten Sorte.

Zur Erinnerung:

Ein Mann trifft in seinem Kleiderschrank auf den Geist einer Frau. Kann passieren. Da hatte man ein Verhältnis, ist vielleicht schon länger her, eigentlich hat man es vergessen, dann findet man eine Bluse, ein Hemd oder einen Satz Dessous der Ex-Geliebten in diesem Winkel der Wohnung.  Der Hauch von Veilchen oder Rosenduft haftet vage an der Wäsche und zaubert ein Lächeln und so weiter und so fort.

So profan ist Marc Levy aber nicht, obwohl Franzose. (Man verstehe mich hier nicht falsch! Ich wäre viel lieber Französin als Deutsche und das hat nicht nur etwas mit dem Wetter oder dem Essen zu tun.) Der Geist der Frau in dem Kleiderschrank ist dem Körper einer Koma – Patientin entwichen. Wahrscheinlich sucht er (der Geist) nach passenden Klamotten, um seiner schemenhaften Kontur Gestalt zu verleihen und da es sich nicht um ein bzw. das Gespenst handelt oder um die Erscheinung, sucht es nach Bemäntelung in dem Schrank eines Mannes.

Wie auch immer: es kommt zur Liebe. Anrührend. Doch dann droht der Tod. Also klinisch. Der Verliebte entwendet den Körper des Geistes. Marc Levy ist eben doch Franzose?

Er sieht ein bisschen so aus. Dreitagebart, partiell brünett, relativ großer Kopf mit dem Blick, der in begehbaren Kleiderschrank schweift.

Frauen! Wollt ihr so etwas wirklich?

Einer Meinung mit meinem Gehirn, antworten WIR: „Nein!“

Marc Levy: Solange du da bist

2011, Blanvalet

ISBN: 978-3-442-37733-6

8,99 €

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