Felix Castor ist Exorzist, einer der besten in ganz England, doch im Augenblick schlägt er sich mit Gelegenheitsjobs durch, die wenig mit seiner eigentlichen Berufung zu tun haben. Doch sich als Zauberer für Kindergeburtstage bei den Reichen zum Narren zu machen scheint immer noch besser zu sein, als wieder und wieder an seinen schlimmsten Fall erinnert zu werden.

Mike Carey führt seine Figur Felix Castor so ein, dass bereits nach den ersten dreißig Seiten eine ganz klare Vorstellung des Exorzisten durch meinen Kopf geistert: Ein wenig heruntergekommen, von mindestens einem schweren Trauma gezeichnet, äußerst gerechtigkeitsliebend und unter der rauen Schale mit einem weichen, weichen Kern ausgestattet. Ich weiß jetzt schon, dass ich ihn mag, diesen Felix Castor, und mich vielleicht sogar in ihn verlieben könnte, gäbe es da nicht mit Erast Fandorin einen anderen Mann in meinem Herzen. Doch zurück von russischen Schwärmereien in ein England der Gegenwart, in dem kurz vor der Jahrtausendwende Zombies und Geister auftauchten und seitdem zum Alltag gehören.

Nachdem Castor seinen Job als Zauberer durch eine nicht ganz so kleine, dafür aber umso wirkungsvollere Lektion verlor, die er dem verwöhnten Sohn des Polizeichefs erteilte, nimmt er einen scheinbar leichten Job an. Im Bonnington-Archiv treibt ein Geist sein Unwesen, der bisher harmlos schien, nun aber einen der Angestellten verletzt hat. Der Geist muss weg! Und Felix Castor, Exorzist und arbeitslos aus freien Stücken, muss die Arbeit annehmen, wenn er nicht das Dach über seinem Kopf verlieren will. Was soll in einem staubigen Archiv auch großartig passieren?

Der versierte Leser (und dies schreibe ich mit Absicht: Den Teufel im Blick ist ein Buch für beide Geschlechter) weiß: Es wird nicht so leicht wie angenommen. Gut für uns, denn nun spinnt Mike Carey ein gelungenes Garn aus Fantasy und Krimi, in dem beide zu meiner Freude gleichberechtigt nebeneinander wirken. Schnell vergisst man, während man gemeinsam mit Castor in den Sumpf organisierten Verbrechens eintaucht, ACHTUNG SPOILER dass das Opfer ein Geist ist und einer der Killer eine mordlüsterne Dämonin; ebenso wie man vergisst, dass hier ein Marlowe der Exorzistenszene ermittelt und nicht einer der typischen sexy Geisterjäger der Romantic Fantasy. Unser Held, der gar keiner sein will, muss einiges einstecken, er wird zusammengeschlagen, seiner Lebenskraft beraubt, er dehnt die Wahrheit bis an ihre Grenzen und schleppt ein dickes Paket Schuld mit sich herum. Das klingt nicht unbedingt sympathisch, aber durch sein Handeln, das oftmals ganz im Gegensatz zu seinen ruppigen Äußerungen steht, weiß der Leser, dass Castor nicht nur eine gequälte Seele, sondern eigentlich auch ein wirklich guter Kerl ist.

Es gibt eine ganze Menge an Nebencharakteren in Den Teufel im Blick, die liebevoll und klar gezeichnet sind. Während man den einen Handlungsstrang gebannt verfolgt und immer wieder neue Details aus Felix Leben erfährt, die mit den Nebenfiguren verknüpft sind, wünscht man sich gleichzeitig weitere und tiefere Ausflüge in Felix Vergangenheit.

Die Handlung ist gleichzeitig rasant durch die immer wieder überraschenden Verwicklungen und Enthüllungen, die der gebeutelte Exorzist erfährt, und ironisch gebrochen durch die Atmosphäre, die stark an die guten alten Humphrey-Bogart-Filme erinnert. Als besonders gut gelungen empfinde ich das Ende, das, soviel sei verraten, kein absolutes Happy End ist, den Fall dennoch als ganz klar gelöst markiert und schließlich auf der letzten Seite ein großes Schmunzeln und Neugierde hervorruft. Tatsächlich war ich so begeistert vom Auftakt dieser Serie, dass ich alle lieferbaren Castor-Bücher auf Englisch bestellt habe und sie nun sehnsüchtig erwarte. Auf Deutsch erscheint der nächste Band Ein Höllenhund kommt selten allein bereits im Mai, die Wartezeit ist also gerade noch erträglich.

Mike Carey: Den Teufel im Blick. Felix Castor 01

2012, Egmont Lyx

ISBN: 978-3-8025-8359-9

12,99 €

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