Auf einer winterlichen und politisch korrekten Einkaufsliste haben all die zwar leckeren, aber importierten Sommergemüse – und früchte nichts verloren. Was dem Koch und der Köchin bleibt sind langweilige Wintergemüse wie fader Kürbis, muffige Steckrüben, Kohl in allen Variationen und dickmachende Desserts. Doch mitten im Winter erscheint ein Hoffnungsstreif am Horizont: Ein Kochbuch von Tanja Dusy, Winterküche, mit dem verheißungsvollen Untertitel „Voller Wärme, Kraft und Sinnlichkeit“.

Das Kochbuch hat sechs Kapitel mit so poetischen Überschriften wie „Raureif“, „Väterchen Frost“ und „Lichterglanz und Kerzenschein“. Auch die Bilder sind perfekt komponiert und fotografiert und wecken unwillkürlich in mir die Lust, sofort aufs Land zu ziehen, Hühner zu halten und meine Würste selbst herzustellen. Doch was taugen die Rezepte? Als jemand, der seit über zwanzig Jahren mal gern, mal weniger gern in der Küche steht, bin ich weder Kochanfänger noch Profi und auch weit entfernt vom leidenschaftlichen Amateur. Aber ein Kochbuch kann man letztendlich nur bewerten, wenn man Rezepte daraus erfolgreich nachkocht, also hieß es, den Duisburger Wochenmarkt im Zentrum besuchen und hemmungslos einkaufen.

Kapitel 1: Raureif

Das erste Kapitel ist ganz dem Wintergemüse gewidmet. Ich wollte unbedingt die Sellerieschnitzel mit Apfel-Roquefort-Dip ausprobieren, stieß aber auf Widerstand in meiner mitspeisenden Umgebung, da es tags zuvor bereits Selleriesuppe gab. Schnell hatte ich umgeschwenkt auf Kohlrouladen mit Hack-Sauerkraut-Füllung, was sich als nachmittagsfüllendes Projekt entpuppte. Das Rezept ist klar gegliedert und die Anleitung einfach, was mir, dem Kohlrouladen-Neuling, sehr entgegenkam. Das Ergebnis war rein optisch nicht ganz so ansprechend wie es das Foto versprach, da meine Rouladen unterschiedlich große Päckchen wurden; die Sauce aus Rinderbrühe war etwas schlapp für meinen Geschmack. Dieses Rezept werte ich dennoch als gelungen, da die Kohlrouladen trotz ihres mitgenommenen Äußeren hervorragend schmeckten und von meinem Tischgenossen nach einer Wiederholung verlangt wurde.

Kapitel 2: In der warmen Stube

Hier finden sich Suppen, Eintöpfe und allgemein deftige Küche. Meine Wahl waren die Kartoffelmaultaschen mit Lauchfüllung, und außer der Feststellung des größten Kompliments für einen Koch, dem komplett geleerten Teller, kann ich nichts hinzufügen – ein perfektes Rezept.

Kapitel 3: Mandelkern und Zimtduft

Adventliche Köstlichkeiten finden sich im dritten Kapitel, und ich versuchte mich am exotisch anmutenden Karamell-Ingwer-Chai. Da ich alle Zutaten im Hause hatte, war der Chai schnell gezaubert. Zwar erschien mir die Kombination aus Karamell, Kardamom und Ingwer etwas seltsam, aber das Getränk war nach der Heimkehr von der Arbeit wärmend und lecker. Auch die Zubereitung war unkompliziert und schnell.

Kapitel 4: Väterchen Frost

Nordische Köstlichkeiten fürs Büffet verspricht dieser Teil, und alles liest sich extrem köstlich: Selbst gebeizter Lachs, Schwedische Fleischbällchen, Luciabrötchen mit Safran … die Entscheidung fiel schwer. Es wurden dann die Schwedischen Zimtschnecken, Hefeteigrollen mit einer Rosinen-Zucker-Butter-Zimt-Füllung. Einfach nur lecker und lange nicht so trocken wie die Rosinenschnecken vom Bäcker.

Kapitel 5: Lichterglanz und Kerzenschein

Alles, was auf eine festliche Wintertafel gehört, ist im fünften Kapitel verzeichnet. Herzoginkartoffeln? Steinpilzpolenta? Hirschmedaillons mit Walmnusshaube? Marzipanmousse mit Amaretto? Alles erscheint möglich in diesem Kapitel, aber das Rotkraut mit karamellisierten Maronen war dann meine Wahl. Eine gute Wahl, auch wenn ein ganzer Rotkohl ziemlich viel für zwei Personen ist. Wieder schmeckte das Gericht ausgezeichnet und war natürlich meilenweit entfernt vom Supermarktprodukt, im positiven Sinne natürlich.

Kapitel 6: Hüttenzauber

Aus diesem Kapitel gab es wieder ein aufwändigeres Gericht, und zwar die Semmelküchlein mit Paprikakraut. Mon Dieu! Köstlich! Die Zutatenliste war relativ lang, es hat sich aber absolut gelohnt, dieses Gericht nachzukochen.

Mein Fazit lautet, nach weiteren Gemüse-Experimenten, dass Winterküche ein wirklich gutes Kochbuch ist. Es ist für absolute Kochanfänger nicht allzu geeignet, auch wenn ein paar Grundrezepte beispielsweise für Knödel vorhanden sind. Inzwischen habe ich auch ein Kürbis-Steckrüben-Curry ausprobiert und bin mit dem Ergebnis zufrieden. Positiv aufgefallen ist mir, dass es zu beinahe jedem Rezept mit Alkohol Alternativvorschläge gibt ebenso wie für die zahlreichen vegetarischen Gerichte sehr oft Variationen mit Fleisch genannt werden. Für meine Küche bedeutet dieses Buch auf jeden Fall eine Erweiterung des üblichen „Was koche ich heute“ – Repertoires.

Tanja Dusy: Winterküche

2011, Gräfe und Unzer

ISBN: 978-3-8338-2307-7

24,99 €

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