Darf man als erwachsene Frau eigentlich noch Internatsgeschichten lesen? Man darf nicht nur, man sollte, zumindest wenn es sich dabei um Veronika Bickers Erstling Optimum. Blutige Rosen handelt!

Ricas Mutter ist Lehrerin und hat einen Job an der Daniel-Nathans-Akademie angenommen. Es versteht sich von selbst, dass Rica Schule und Freunde aufgeben und mit ihrer Mutter in eine völlig neue Umgebung ziehen muss. Schnell wird klar, dass sie sich im Internat fehl am Platze fühlt. Die meisten Schüler scheinen nicht nur wohlhabend zu sein, sondern auch außergewöhnlich begabt. Unheimlich sind nicht nur die Lehrer und die Schulpsychologin, sondern auch die latente Aggressivität ihrer Mitschüler – mehr als einmal greift die dickköpfige, gerechtigkeitsliebende Rica ein, als ein handfester Streit zu eskalieren droht. Als ihre neue Freundin Jo ermordet wird, braucht es Ricas ganze Kraft, sich nicht von fadenscheinigen Argumenten und verschleierten Drohungen von der Suche nach der Wahrheit ablenken zu lassen. Gut, dass mit Eliza eine zweite neue Freundin an ihrer Seite steht, auch wenn diese selbst ein paar Geheimnisse hat.

Bereits nach den ersten Seiten ist man als Leserin (ich schreibe hier bewusst Leserin, weil ich denke, dass dieses Buch eher die weibliche Leserschaft anspricht) mittendrin in Ricas neuem Leben. Man ist mit ihr gemeinsam neugierig, schockiert und traurig, und genau dies ist die große Stärke des Buches.  Rica ist eine sympathische Heldin, mit Ecken und Kanten, die besonders angesichts ihrer nahezu perfekten und hochbegabten Mitschüler auffallen. Sie ist gutherzig und gerechtigkeitsliebend, zwei Züge, die mir besonders gut gefallen haben, und die doch nicht bis ins grotesk selbstlose überzeichnet werden.

Ich war überrascht, wie realistisch Optimum trotz aller Hinweise auf ein großes und viele kleine Geheimnisse bleibt! Genau hier schmecke ich den einzigen Wermutstropfen: Optimum. Blutige Rosen ist der erste Teil einer Trilogie, und außer dem Mord an Ricas Freundin wird kein Geheimnis auch nur ansatzweise gelöst – im Gegenteil, es mehren sich die Hinweise, die zwar in eine Richtung deuten, aber eben in keiner Weise gelöst werden. Das war mir für einen ersten Teil einfach zu wenig konkret, ich war ein wenig verschnupft, als im wirklich actionreichen Finale noch ein Geheimnis auf den Stapel ungelöster Rätsel gepackt wurde. Das hätte einfach nicht sein müssen, ich war auch so schon neugierig genug darauf, wie es weitergeht. Und ich freue mich schon auf Teil zwei.

 

Veronika Bicker: Optimum. Blutige Rosen

2012, Egmont INK

ISBN: 978-3-86396-044-5

14,99 €

Jetzt bestellen!